Quicklinks: Fans, Chants(Gesänge), Fans in London, Rivalitäten, Hooligans

England ist nicht nur das Mutterland des Fussballs, England ist auch das Mutterland der Fankultur. In den Stadien auf der Insel entstanden die Fangesänge und der Hooliganismus. Bei einem Besuch eines Spiels in England erlebt man also nicht nur den 'Football at home', sondern auch 'Fan Culture at home', was in gleichem Maße reizvoll ist. Wer allerdings nach London zum Fussball will, weil er die berüchtigen englischen Hooligans in Aktion sehen will, der wird ebenso enttäuscht werden, wie alle die mit der Erwartung in Stadion gehen, in England würde 90 Minuten durchgesungen. Die Stimmung hat sich in England, wie in Deutschland auch, in den letzten Jahren nicht unbedingt zum Positiven entwickelt. Dies ist eine fast schon logische Konsequenz aus den steigenden Eintrittspreisen und dem Umbau der Stadien in Allseater. Dennoch gibt es häufig Spiele, bei denen die Stimmung und die Gesänge einzigartig sind und das typisch englische Feeling entsteht.


Rookery Watford

Der englische Fan

Eine pauschale Beschreibung des englischen Fans ist natürlich genauso wenig möglich, wie in anderen Ländern. Auch im Mutterland des Fussballs gibt es solche und solche. Allgemein sind aber einige Untschiede zu deutschen Fans zu beobachten.

Prinzipiell ist der englische Fan in wesentlich höherem Maße am Sport interessiert und fachkundiger als der deutsche Durchschnittsfan und somit viel mehr ins Spielgeschehen involviert. Dies macht sich nicht nur bei der Stimmung bemerkbar, sondern auch bei den Eintrittspreisen. Bei 40 bis 60 Euro pro Spiel ist es unwahrscheinlich, dass sich jemand ein Ticket kauft, der im Grunde nicht am Geschehen auf dem Platz interessiert ist. Aufgrund dieser Tatsache wird ein Fussballspiel in England auch nicht krampfhaft zum "Event" umgespritzt. Bescheuerte Sponsoren Spiel'chen in der Halbzeitpause oder endloses Vorprogramm gibt es nicht. Ein paar Lieder vor dem Spiel, die Aufstellung beider Teams, Klubhymne - that's it. Von einem Vorprogramm würden sowieso nur die wenigsten Stadionbesucher etwas mitbekommen: der Engländer nimmt i.d.R. erst kurz vor Anpfiff seinen Platz auf der Tribüne ein, vorher (und nachher) genehmigt er sich ein paar Pints im Pub.

Eine weitere Besonderheit ist die Affinität zu Auswärtsspielen. Der Engländer reist gerne und oft seinem Team hinterher und dementsprechend sind zumindest in den oberen Ligen die Auswärtskontigente in der Regel ausgeschöpft. Selbst bei Spielen unter der Woche, die mit langer Anreise verbunden sind, oder bei Europapokalspielen auf dem Kontinent ist die Zahl der mtigereisten Fans immer wieder beachtlich.

Chanting

Wie bereits erwähnt steht im Stadion das Spielgeschehen im Mittelpunkt, was sich auch auf die Gesänge auswirkt. Dementsprechend hängt die Stimmung im Stadion auch zu 90% am Spielstand. Der berühmte Satz "You only sing when you're winning" trifft in den allermeisten Fällen zu. Ecken werden z.B. allgemein aufgrund der sich bietenden Torchance bejubelt, ein Gegentor kann hingegen die bis dahin lautesten Gesänge abrupt und nachhaltig beenden.

England gilt als Wiege des Fangesangs und das Gesangsrepertoire ist bei vielen Clubs beachtlich. Im Gegensatz zu anderen Ländern handelt es sich im englischen Fussball zumeist tatsächlich um Gesänge mit Inhalt, nicht um stupide und monotone Schalalala-Marathone. Einen guten Einblick in die verschiedenen Texte gibt die Webseite www.footballchants.org oder die Buchreihe "Dicks Out" wobei diese mittlerweile nur noch schwer bis gar nicht mehr zu bekommen ist.

Eine englische Besonderheit ist die, dass es bei den Heimfans im Grunde keinen Fanblock gibt. Auch wenn natürlich dennoch ein End öfters und lauter singt als die anderen Tribünen, so gehen Gesänge von potenziell jeder Tribüne aus.


Charlton bei Chelsea


Spurs bei Charlton

Fans der Londoner Clubs

Prinzipiell ist es unmöglich zu sagen, welcher Londoner Club die "besten" Fans hat. Alle verfügen über eine solide Fanbasis. Die Stadionaulastung bei den Teams in der Premier League liegt zwischen 95 und 100%. Einzig der Fulham FC hat des öfteren Schwierigkeiten die Craven Cottage zu füllen.

Was die Stimmung angeht kommt es wie bereits beschrieben sehr stark auf den Spielverlauf an. Wie überall auf der Welt haben aber auch in London die Teams der einfachen Leute aus der Arbeiterklasse (West Ham oder Millwall) den Ruf, über besonders sangesfreudige Fans zu verfügen.

Die Verteilung der Sympathien auf die Clubs innerhalb der Stadt hat hauptsächlich mit dem Wohnort (z.B. Ostlondon = West Ham, Nordlondon = Spurs oder Arsenal) und somit auch zwangsläufig mit der sozialen Schicht zu tun, wobei natürlich die besonders erfolgreichen Clubs Fans aus ganz London, England und teils aus aller Welt anziehen.

Kleine Clubs wie Orient, Barnet oder die Conference Clubs werden zudem von den Fans großer Vereine oft als eine Art zweiter Verein wahrgenommen.

Darüber hinaus gibt es in London eine große Zahl von Fans der großen englischen Clubs wie Liverpool oder ManUnited (die sog. Cockney Reds).

Rivalitäten

Alleine die Tatsache, dass sich alle Londoner Clubs in einem Radius von 50 km befinden, sich über die Jahre oft auf dem Rasen gegenüberstanden und sich die Fans der verschiedenen Vereine quasi täglich begegnen, führt dazu, dass sich im Grunde zwischen allen Londoner Clubs eine gewisse Rivalität entwickelt hat. Das ist der Grund, warum Londoner Derbies immer etwas Besonderes sind. Dennoch gibt es Clubs, deren Beziehungen von besonderer und heftiger Rivalität geprägt sind.

Die größte Rivalität zwischen zwei Londoner Clubs herrscht wohl zwischen Arsenal und Tottenham. Dies hat zum einen geografische Gründe, beide Clubs kommen aus Nord-London und die beiden Stadien sind Luftlinie gerade einmal 6 km voneinander entfernt. Zudem war das Duell Spurs gegen Arsenal über Jahrzehnte das Duell um die Krone von London. Durch Abramowitsch hat sich dieses Duell eher Richtung Arsenal gg Chelsea verlagert, die Rivalität zwischen den Gunners und den Spurs ist aber geblieben.

Die zweite große Rivalität in London herrscht zwischen den beiden Clubs aus den Docks West Ham und Millwall. Beide Clubs wurden von Hafenarbeitern gegründet, beide Clubs sind für ihre working-class Fanbasis bekannt, beide Clubs hatten einst gefürchtete Hooligan Mobs. Die Rivalität ist in den vergangenen Jahren etwas abgeklungen, da aufgrund unterschiedlicher Spielklassen kaum Duelle der beiden Clubs zustande kamen. Dennoch wurde die Rivalität im 2005 erschienenen Film "Hooligans" thematisiert und ist daher weithin bekannt.

Chelsea ist aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre und den Abramowitsch Millionen bei keinem der anderen Londoner Clubs sonderlich beliebt. Sportlich gesehen hat sich dadurch eine Rivalität mit Arsenal entwickelt, aus Sicht der Fans können insbesondere die Fans von QPR und West Ham die Blues nicht riechen. Letztere freuen sich schon Wochen vor einem Aufeinandertreffen zwischen West Ham und Chlesea den Klassiker "From Stamford Bridge to Upton Park, stick the blue flag up your arse" zum besten geben zu können.

Recht frisch ist die Rivalität zwischen Charlton und Palace. Diese geht auf das Saison-Finale 2004/05 zurück. Palace musste bei Charlton drei Punkte holen um die Klasse zu halten. Trotz zwischenzeitlicher Führung ging das Unterfangen schief und die Charlton Fans hielten nach dem besiegelten Abstieg mit Hohn und Spott nicht zurück. In der Folge beleidigte Simon Jordan (Vorsitzender von Crystal Palace) die Fans der Addicks als "morons".

Crystal Palace verbindet des weiteren eine große Rivalität mit Brighton. Nicht selten kommen solche Rivalitäten mit Clubs aus dem Londoner Umland auf, so sind die Fans der Clubs aus dem Londoner Osten häufig schlecht auf Southend zu sprechen.

Einige Londoner Vereine pflegen keine nennenswerte Rivalitäten. So liegt es z.B. bei einem Familienclub wie Brentford gar nicht in der Natur Auseinandersetzungen mit anderen Clubs zu suchen. Andere Vereine, wie etwa Fulham oder Dagenham sind einfach viel zu low-profile um als Rivale ernst genommen werden zu können.

Für weitere Informationen über die Rivalitäten im englischen Fussball empfiehlt sich dieses Buch, das ohnehin ein Standardwerk für alle Freunde des Fussballs auf der Insel sein sollte: Rivalen: Der etwas andere Führer zu den 92 englischen Profi-Vereinen


Gewohntes Bild vor dem Den:
Hohe Polizeipräsenz

Hooligans

Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wird man in den englischen Stadien nicht mit Hooliganismus in Kontakt kommen. Genau wie in Deutschland ist dieses "Problem" mehr oder weniger komplett aus den Stadien verschwunden, nicht zuletzt weil alle Stadien über Videoüberwachung (CCTV) verfügen. Die Anlässe bei denen Vorfälle es in die Presse schaffen sind sehr rar, was nicht heißen soll, dass es keine entsprechende Szene mehr gibt (also im Grunde ähnlich wie in Deutschland).

Dass England in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind ist, macht sich bis heute bemerkbar. So gelten in einigen Bereichen wesentlich rigidere Regeln als in anderen Ländern. Es besteht prinzipiell die Regel, dass Fans, die im falschen Block sitzen und sich als solche zu erkennen geben (z.B. durch Torjubel) sofort aus dem Stadion geworfen werden. Um diese Situation bereits im vornherein auszuschliessen gibt es bei Risikospielen oft keine Karten an der Tageskasse, sondern nur im Vorverkauf (All Ticket). Viele Pubs in Stadionnähe verwehren ausserdem Auswärtsfans den Zutritt, wobei sich die Frage stellt, ob man als Auswärtsfan wirklich in ein Pub gefüllt mit angetrunkenen Fans der anderen Mannschaft marschieren will.

In den Hochzeiten des Hooliganismus (80er Jahre), waren insbesondere Teams aus London bekannt für Ihre Mobs (die ICF von West Ham, Bushwackers von Millwall oder die Headhunters von Chelsea). Obwohl es zwischen den einzelnen Gruppen teils heftigste Rivalitäten gab, soll die Regel bestanden haben, ausserhalb von London keine Auseinandersetzung mit dem Mob eines anderen Londoner Vereins zu suchen.

 



ManCity bei Fulham




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